Der Überfall der USA auf Venezuela mit dem Kidnapping Maduros ist der Beweis für die real existierende Dystopie des neuen Überwachungsimperialismus, der terroristisch angreift. Die BRD ist mit ihren NATO-Tributzahlungen beteiligt. Bericht, Analyse, Folgen
Braucht Grønland jetzt »The Nuuk«?
Drogenabhängige auf Beutezug
Von Anselm Lenz
Man stelle sich vor, russische Luftlandetruppen flögen nach Brüssel und kidnappten Ursula von der Leyen (CDU), flögen sie und ihren Ehemann nach Sankt Petersburg aus, um sie dort einzuknasten und der Hehlerei, des Betruges, der Corona-Lüge, des Spritzengenozids, der Unterdrückung Griechenlands und der Kriegstreiberei anzuklagen. Dies verbunden mit der Forderung der Übergabe der deutschen Automobilproduktion an Industriekapitäne in der Lada-Stadt Toljatti.
Bei der Mehrheit der Europäerinnen und Europäer wäre der erste Impuls nach der TV-Meldung von Leyens Abflug nach Petersburg wohl eine überraschte Erleichterung. Nach einigen Sekunden der Überwältigung müssten dann aber Moral und Gewissen anspringen: Sowas geht nicht! Das ist mafiös, terroristisch! Nieder mit dem Imperialismus!
Zuerst einmal geht sowas nicht nach Menschlichkeit, Gewissen, Ehre und Anstand. Zum Zweiten nach Artikel 2 der verbindlichen Völkerrechtskonvention, der UN-Charta, mit dem Verbot von Gewalt zwischen allen Mitgliedsstaaten. Zum Dritten nach venezolanischem Recht wie auch nach USA-Gesetzen: Raubüberfälle, Mord und Entführungen sind verboten, mit Höchststrafen belegt. Daran ist nichts »komplex«, wie Friedrich Merz von der CDU abwiegelte. Die Sache liegt ganz eindeutig und unmissverständlich.
Für das Leyen-Beispiel gleich zu Beginn habe ich höflich, wie ich bin, eines »meiner« Staatsoberhäupter ausgewählt, hier im selbsternannten »besten Deutschland aller Zeiten« (Frank-Walter Steinmeier, SPD). Man stelle sich dasselbe Gedankenspiel mit Netanjahu und ägyptischen Luftandetruppen in Tel Aviv vor. Oder mit dem US-Präsidenten Donald Trump selbst, der von dänisch-grønländischen Helikoptern an seinem Schwimmbecken in Mar-a-Lago angeseilt, hochgezogen und zu den Inuit nach Nu'uk ausgeflogen würde. Die Maduro-Entführung ist Wirklichkeit.
Sie führte weltweit zu angewiderten Reaktionen gegenüber Trump und dem US-Imperium. Hinterhältig und zugleich kühn und riskoreich, das war sie: Die Luftlandung US-amerikanischer Truppen in Caracas, Hauptstadt und Regierungssitz des lateinamerikanischen Landes Venezuela, am frühesten Morgen des 3. Janaur 2026. Monatelang sei das Kidnapping des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro vom CIA und dem Tiefen Staat geplant worden. Sogar Maduros Haus sei in den USA nachgebaut worden, um die Wege darin und die Überwältigung des Berufspolitikers durch die amerikanischen Fallschirmjäger zu trainieren. So hieß es danach aus Washington.
Ich fasse die Folgen:
• Zerstörung der Vereinten Nationen und der UN-Charta mit dem verbindlichen Gewalt- und Terrorverbot zwischen allen Mitgliedsstaaten wie in Artikel 2 der Charta. Werden die UN überhaupt nochmal tagen?
• Angewiderte Reaktionen: Die USA fallen trotz dieser Polizei-artigen Spezialmission als »Weltpolizist« im Ansehen der Weltöffentlichkeit, werden bestenfalls noch als durchgeknallte Piraten wahrgenommen.
• Robert F. Kennedy Jr. – »unser« US-Gesundheitsminister, der Teilnehmer der größten Demonstration der BRD-Geschichte und der neuen deutschen Friedens- und Demokratiebewegung seit 28. März 2020 –, könnte aus der Regierung austreten.
• Die Normalisierung von Mitteln des Terrorismus, der weltweit geächtet wurde. Man vergleiche die Entführung des BRD-Kapitalverbandspräsidenten Hanns Martin Schleyer durch die Rote Armee Fraktion (RAF) am 5. September 1977 in Köln (auf der Titelgrafik zu diesem Artikel). Wird soetwas wieder häufiger geschehen, weil es nun als westlich-cool beziehungsweise als »komplex« (F. Merz, CDU) gilt?
• »Wir brauchen Grønland. Wir müssen es haben!«, so Donald Trump am 26. März 2025 in einem Interview vor dem Besuch seines Vizepräsidenten in Grønland. Ist der Nimbus als Friedenspräsident einmal perdu, besteht wirklich die Möglichkeit, dass die USA demnächst Grønland überfallen. Und damit auch das NATO-Mitglied Dänemark – und damit die EU. Das wird in den USA seit einem Jahr genauso offen diskutiert bis gefordert, wie der jetzt stattgefundene Überfall auf Venezuela.
• Der Wegfall des von den USA sich selbst zugeschriebenen »Exzeptionalismus« (Außergewöhnlichkeit inklusive Ausnahmeerlaubnis). Das Imperium hatte bis 3. Januar 2026 ungeheuer viel Aufwand betrieben, um die eigene Interessen- und Kriegspolititik in den Anschein moralischer und rechtlicher Integrität zu kleiden. Die USA sind jetzt ein Imperium wie jedes andere in der Geschichte und verbergen das auch nicht mehr. Warum noch bizarr-selbstmörderisch einstürzende Neubauten zum Anlass ausgestalten, die halbe Welt zu überfallen, wenn mans auch einfach »nackt und dreckig« haben kann, so als »the bad guy«?
• Es könnte auch die allgemeine Ächtung von Kriegen wegfallen, also die zumindest formaljuristische und moralische Ächtung von Angriffskriegen. Diese Illegalisierung des Krieges hatte die Welt ab 1945 zumindest vor neuen, ganz großen Weltkriegen bewahrt und daran mitgewirkt, den »Kalten Krieg« zu beenden. Dies bis hin dazu, dass die Moskauer Eliten ab 1985 unter Gorbatschow davon ausgingen, der Kapitalismus (oft auch vereinfacht als »Der Westen« gelabelt) sei ja irgendwie doch »friedensfähig«. Ist er nicht.
• Weltweite Aufrüstung. Vor allem: Ausbau der Flugabwehr. Küstenschutz. Eingemauerte Präsidentenpaläste und Parlamente. Schwer bewaffnete Präsidentengarden. Paramilitärs. Spezialtruppen. Noch mehr Überwachungstechnik. Androhung von Gegenterror und Vergeltungsschlägen.
• Dazu passend: zunehmende Bewaffnung auch im Privaten. Denn Kidnapping, einfallende Beamte und Militärs sind jetzt ja nun etwas, das auch noch an höchsten Positionen »mal so vorkommen« kann, nicht? Wer dem Staat nicht mehr vertraut, wozu es derzeit fast alle Gründe gibt, muss abwehrbereit sein. Diese Ansicht liegt zumindest sehr nahe, weil es seit der Corona-Lüge zu viele realistische Gründe dafür gibt, die in jedem Leben wahrnehmbar waren – und sind.
• Viele Regierungen werden nun versuchen, atomar aufzurüsten, um die USA abzuschrecken. Im extrem dünn besiedelten Grønland wird bereits seit Monaten diskutiert, wie die riesige Eis-Insel gegen die angekündigte US-Invasion verteidigt werden könnte. Das gehe, wenn überhaupt, nur durch »maximale Abschreckung« mittels »Nukes« (also Atomraketen), verbunden mit der glaubwürdigen Drohung, die Inuit und Eskimos würden den roten Knopf im grønländischen Thule oder der Hauptstadt Nu’uk auch drücken, »um Washington wie einst Hiroshima, Nagasaki oder Dresden dem Erdboden gleich zu machen« (grønländische Online-Foren).
• Der US-Dollar wankt, das Imperium ist technisch bankrott und es dürstet nach Kriegsbeute, nach Erdöl. Der Autor dieses Artikels fragt hinsichtlich der US-Drohungen gegen die Eis-Insel also: Kann unser Bruder- und Schwestervolk in Grønland nur noch durch »The Nuuk« vor den US-Imperialisten bewahrt werden? Braucht es »die Bombe aus Nu’uk« zur Abschreckung gegen die USA, um eigenständig unter der autochton-dänisch-volksdemokratischen Selbstverwaltung und in Freiheit zu bleiben, unter der es derzeit (relativ) lebt?
• »Die USA sind ein Ölkonzern mit einer Armee« – George Carlin.
Ich meine: Grønland muss in Freiheit bleiben! Schmeißen wir uns die Schlacht, Seit’ an Seit’ mit den Eskimos! Rammen wir dem US-Raubtierkaptalismus gemeinsam vom Kajak die Harpune zwischen die engstirnigen Augen, ziehen wir ihm das Fell über die Ohren und zerlegen wir ihn in schmackhafte Robben-Steaks, die wir unter den ausgehungerten Junkies in Los Angeles verteilen: »Buddy, take something real from the Kayak for your failing American Dreams!« (Hier Junge, nimm mal was Echtes aus’m Kajak gegen die scheiternden amerikanischen Träume! – Kajak auf Inuktitut: ᖃᔭᖅ, grønländisch qajaq, Plural qaannat.)
GEMEINSAM MIT DEN ESKIMOS
GEGEN DAS IMPERIUM
Sie bemerken, ich versuche bei allem scharfen Verstand, Professionalität und herausragender Bildung, über die ich glücklicherweise verfüge, noch etwas bei Humor zu bleiben. Monatelang war dieser Angriffskrieg gegen Maduro ohne Kriegserklärung angekündigt worden. Dass Venezuela nichtmal eine Luftabwehr in der Hauptstadt aufbot, überraschte nicht nur uns in der Redaktion der Wochenzeitung Demokratischer Widerstand (DW) in Berlin. Ist das Ganze fingiert?
Ebenso, dass sich Maduro festnehmen ließ, anstatt sich zu bewehren, sich im Kampfe zu stellen und darin »zu fallen«. Als in einem US-Kriegsverbrechen Ermorderter hätte er den Märtyrerstatus der demütigenden »Verfrachtung« und Vorführung durch die Amerikaner wie ein Tier in einem Zoo und der allmählichen Abkehr seiner erpressten Apparatskollegen in Caracas vorziehen müssen. Schon am Montag meldeten die BRD-Propagandawellen, die venezolanische Führung sei nun doch bereit, über die Bedingungen der Unterwerfung mit Trump zu verhandeln.
Maduro und dessen Ehefrau sollen sich unterdessen in der Stadt New York in einem berüchtigten US-Bundesgefängnis befinden, dem Metropolitan Detention Center (MDC) im Stadtteil Brooklyn. Am Sonntag wurde Maduro gezeigt, wie er in Handschellen über einen langen Teppich mit dem Logo der US-Drogenermittlungsbehörde DEA geführt wurde. Sein Amtsvorgänger Hugo Chávez hette vielfach vor der Skrupellosigkeit des US-Imperialismus gewarnt, so häufig, dass es schon allen »aus den Ohren wieder herauskam«.
Dem gewählten venezolanischen Präsidenten soll nun in den USA und de facto von dessen amerikanischen Amtskollegen Donald Trump der Prozess gemacht werden. Diesmal halten keine »Massenvernichtungswaffen« für die Vorwürfe her, wie etwa bei dem Iraker Saddam Hussein von der Baath-Partei oder dem libyschen Zampano-Sozialdemokraten Muammar Gaddafi, die sich jeweils als falsch herausgestellt hatten.
JETZT SIND ES DIE
DROGENDEALER
Diesmal soll es nämlich der »Drogenhandel« sein, mit dem Maduro nun zu den übelsten Schurken unter den Machthabern der Erde gezählt werden soll – gewissermaßen als allerneuester Hit in den Charts der » Top-Hitlers«. Ein neuer Opiumkrieg? Das Volk der USA ist in der Tat zunehmend auf Droge, wie ein Blick auf die Statistiken und in die Wohnviertel des Landes belegt. Das Meiste davon dürfte selbstgemacht sein. Seit zwei Generationen gibt es auch in den USA immer weniger echte Prosperität für die jüngeren Menschen, die sich immer häufiger mit absurd hohen Mieten und der generellen Verteuerung des Lebens plagen.
Seit 2014 sinkt die durchschnittliche Lebenserwartung in den USA. Bei der Sowjetunion galt die sinkende Lebenserwartung ab 1964 im Nachhinein als deutlicher Indikator für den Niedergang und das Ende ab dem Jahr 1989 – nur 25 Jahre liegen dazwischen. Die Gründe für den Zerfall der UdSSR lagen dabei weitaus tiefer als der Hang des Sowjetbürgers zum Alkohol.
Ebensowenig wie der Alkohol für den CCCP-Niedergang verantwortlich ist, dürfte Venezuela, das nicht an die USA grenzt und nicht für ausgiebigen Anbau und Export von Mohn oder ähnlichem bekannt ist, nicht am schlechten sozialen Zustand der USA beteiligt sein. Wer in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten die USA bereist und nicht nur Shopping Malls und Disney Land besucht hat, der weiß, dass die USA nicht mehr jene sind, die drei glorreiche Jahrzehnte lang bejubelt worden sind – bis es unter Bush Junior, Cheney und Rumsfeld ab 2001 damit ein Ende nahm.
Bei den Drogen, die gegen Maduro in Anschlag gebracht werden, handelt es sich also nicht um Opium, Fentanyl oder Heroin – sondern um Erdöl. Von dessen weltweiter Kontrolle und Vermarktung sind die USA so abhängig wie kein anderes Land der Erde: Wie Drogenabhängige auf Beutezug.
Die Vormachtstellung des US-Dollars als Weltleitwährung war und ist die Conditio sine qua non für die Vorherrschaft des USA-Kapitals und -Staatsapparates auf dem Planeten Erde insgesamt. Staat und herrschende Kapitalisten sind in den USA so eng verwoben, wie es in Europa nach Hitler – der die Verschränkung von Kapital und Staat auf die Spitze getrieben hatte – bis vor Kurzem kaum vorstellbar war.
US-DOLLAR
UNTER DRUCK
Der US-Dollar, den die führenden Kapitalfraktionen munter nachdrucken, wird eingesetzt, um das gigantisch aufgeblähte US-Militär und über 750 Militärbasen im Ausland, davon über 40 in Deutschland, beinahe unbegrenzt zu finanzieren. Das USA-Imperium und dessen Auslandsorganisation NATO setzen die Vorherrschaft des US-Dollars auf den weltweiten Erdölhandel durch, der sich fast unendlich beleihen ließ.
So entstand ein sich selbst befeuernder Kreislauf, dessen Richtung notwendigerweise die Weltherrschaft ist. Nicht wenige sahen dabei die USA als das »kleinere Übel«, wofür es bis heute zumindest nachvollziehbare Gründe gab, darunter die Existenz des erweiterten Völkerbundes, die Vereinten Nationen, die auf Betreiben und Namensgebung des US-Präsidenten Franklin Roosevelt (»New Deal«, neuer Gesellschaftsvertrag) in New York angesiedelt worden waren.
Das im Grunde wackelige Vehikel der US-Welthegemonie (Vorherrschaft), in dessen Kern ein großes Nichts klafft, wird letztlich nur noch mit der Drohung purer Gewalt und zu viel gutem Willen am Leben gehalten. Die Megamaschine braucht ständiges Wachstum, Expansion, totalen Verwaltungsausbau und Unmengen an Ressourcen und Bürokratie. Wenn man davon ausgeht, dass das amerikanische Volk nicht qua Geburt an »böse«, gefräßig und agressiv ist – das ist es nicht, genauso wenig wie die Deutschen oder die Karthager – erklären sich die rund 400 Kriege der USA seit deren Gründung durch Verfassungsgebung aus dem Volk nur aus der beschriebenen systemischen »Notwendigkeit«.
Nach Daten des Forschungsdienstes des US-Kongresses (Congressional Research Service) waren die USA in rund 225 bis 230 der 249 Jahren ihrer Geschichte seit dem Jahr 1776 in mindestens einen bewaffneten Konflikt verwickelt, zumeist in mehrere gleichzeitig. Mittlerweile ist der sprichwörtliche Lack ab. Zu begreifen, dass man mittlerweile überwiegend auf der, Pardon, Arschloch-Seite der Geschichte steht, ist ein langwieriger Prozess.
GESUNKENE LEBENSERWARTUNG
IM US-IMPERIUM
Die Amerikaner gelten seit Jahren als technisch bankrott, sind in China rettungslos verschuldet. Der US-Dollar steht seit dem Abzwitschern des Repo-Wertes im Jahr 2019 vor dem Aus als Weltleitwährung. Schon die Corona-Lüge mit der Unterdrückung in der »westlichen« Welt und massenhaft tödlichen Zwangsspritzungen war eine Folge davon, wie ich in Dutzenden Beiträgen teils führend nachwies (Apolut sowie Wochenzeitung Demokratischer Widerstand, 2020 bis 2025).
Washington schreit seit Jahren nach gesteigerten Tributzahlungen aus seinen Kolonien wie der BRD, zuletzt nach 5 Prozent der Wirtschaftsleistung, praktisch direkte Überweisung aus jeder Arbeit und jeder produktiven Inwertsetzung an die wankende Zentrale des Imperiums. Washingtons Löcher wollen gestopft werden, China kommt: Seit Ende der 1990er Jahre wird das in der Vergangenheit geschlagene, gedemütigte, von englischen Imperialisten wegen ähnlicher Handelsdefizite damals absichtlich und zwangsweise mit Drogen verseuchte Riesenland mittlerweile wieder als ein kommendes neues Weltzentrum angesehen.
Ob China nach dem angloamerikanischen Tiefenstaat-Komplex der graduell bessere Welthegemon sein wird, steht in den Sternen. Bislang agiert es – bei aller Kritik an der Einparteienherrschaft im Inneren – außenpolitisch unauffällig und friedfertig. China kolonisiert nicht und gilt als zuverlässigster und langfristigster Kreditgeber auf dem afrikanischen Kontinent, als Entwicklungshelfer und Investor. Es gilt als dezenter Unterstützer Moskaus und als dessen »Absicherung« im Stellvertreter-Krieg in der Ukraine, dessen Hintergrund die NATO-Osterweiterung war und ist. Mit dieser brach »Der Westen« aus asiatischem Blickwinkel sein Wort, erwies sich als nicht friedensfähig.
Zurück in die Peripherie, nach Caracas. Das venezolanische Volk wohnt auf den reichhaltigsten Erdölvorkommen des Planeten. Venezuela ist ein entwickeltes und vergleichsweise demokratisches Land. Das Leben in den Städten ähnelt dem in Spanien oder Portugal, in Berichten aus der Hauptstadt oft auch den teils brutalen Pariser Banlieus. Die große Mehrheit des Landes ist katholisch und prägt die Feiertage. Maduros mit überwältigender Mehrheit gewählter Amtsvorgänger, Hugo Chávez, hatte ab 1998 die ausländischen Großkonzerne gegen Entschädigung in Milliardenhöhe enteignet: ExxonMobil, Chevron, ConocoPhillipps (alle USA), British Petrol (England), Statoil (Norwegen), Total (Frankreich).
BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN
UND BILLY SIX’ INHAFTIERUNG
Seit der Nationalisierung der Produktion wird aus dem Erdölverkauf an jeden Venezolaner ein bedingungsloses Grundeinkommen ausgeschüttet, eine Art (kleine) Leibrente als Beteiligung am Ressourcenreichtum und der Industrieproduktion des Landes. Bildung, Wohnungsbau, Gesundheit und Infrastrukur wurden zudem drastisch ausgebaut. Zugleich sind seit dem Tod Chávez’ zunehmend Korruption, »Vetterleswirtschaft« und zwischenzeitlich zusammenbruchshaftes Staats- und Wirtschaftsversagen dokumentiert.
Auch fast alle Sympathisanten von Chávez und Maduro räumen ein, dass es ab 2017 nicht mehr rund lief. »Sozialismus des 21. Jahrhunderts« war deren Diktum, eine Mischung aus freiem Mittelstand, Marktwirtschaft und dominanten Staatskonzernsektor mit offiziell sehr niedriger Arbeitslosigkeit/Einkommenslosigkeit. Der große deutsche Journalist Billy Six wurde am 17. November 2018 vom Maduro-Regime festgenommen und monatelang unter üblen Bedingungen im Knast gehalten, weil er über die damalige Krise in dem Land hatte berichten wollen.
Im Zuge des Wirtschaftszusammenbruchs hatten mehrere Millionen venezolanischer Bürger fluchtartig das Land verlassen, die Mehrzahl kehrte später zurück. Die BRD-Regierung unter Merkel (CDU) und Steinmeier (SPD) sowie der zuständige Journalistenverband DJV unter Frank Überall taten damals wenig bis nichts für den inhaftierten deutschen Journalisten und Staatsbürger Six, was bis heute als eine der unvergesslichen Schanden der späten BRD weltweite Bekanntheit in journalistischen und diplomatischen Kreisen hat. Schon damals hatte sich angekündigt: Auf diesen BRD-Staat mit dieser politmedialen Kaste an der Spitze wird sich niemand mehr verlassen können. Auch nicht in Notlagen, nicht einmal im gut eingeübten diplomatischen Procedere.
Ich kenne das Land Venezuela nicht aus eigenen Besuchen, hörte aber über Jahre von absoluten Exptertinnen und Insidern, womit man in Venezuela aus Sicht der Führung zu kämpfen hat. Wie in vielen mittelamerikanischen Republiken ist der Aufbau einer zuverlässigen, gegenüber Regierung wie Bürgern rechtstreuen und zudem nicht übermäßig korrupten oder faulen Funktionärsschicht ein noch größeres Problem als, sagen wir, in der BRD, Italien oder Argentinien.
Hingegen: Schon die Berufung auf die völlig unglaubwürdige Lüge, Maduro sei ein Drogendealer, legt offen, dass die angloamerikanischen Kapitalisten nun nicht mehr viel auf ihre umfangreiche Lügenpropaganda der Vergangenheit geben. Behauptet wird einfach irgendetwas, spontan aus der Luft Gegriffenes. Es geht ja ums Peng-Peng, ums Öl, vielleicht noch am Rande um den alten Wettstreit der Systeme.
Es geht denen nicht um die Wahrheit, nichtmal mehr um das, was als Wahrheit ausgegeben wird. Auch der kritische US-Journalist Tucker Carlson, der ebenfalls den Genozid in Palästina und die imperialen Kriege aufklärt und knallhart verurteilt, spricht von einer neuen Qualität: Das US-Imperium lüge nun nicht einmal mehr groß, es gehe einfach direkt auf Raubzug.
DER EX-FRIEDENSPRÄSIDENT
DONALD TRUMP
Der »Friedenspräsident« Trump war deshalb zu einer zweiten Amtszeit gelangt, weil sich das amerikanische Volk und die Völker der Erde von ihm versprachen, dass er mit dem Tiefen Staat (CIA, militärisch-industrieller Komplex, ständige Überfälle in aller Welt) sowie der Lügenpresse aufräumen werde. Dass er für Friedenspolitik mit diplomatischen Mitteln sorgen werde. »Vertraut Trump!« In seiner ersten Amtszeit war er der erste US-Präsident seit James Carter gewesen, der keinen neuen Angrffskrieg begonnen hatte. Das brachte ihm national und weltweit großen Respekt von »links« bis »rechts« ein. Vor allem »von unten«.
Nun kann man sagen: Das Gute an seiner Aktion in Caracas, die aus einer farbübersteuerten amerikanischen B-Fernsehserie der 1980er Jahre auskopiert scheint, ist vielleicht noch, dass jetzt feststeht, dass es jeden Staatschef treffen kann. In Caracas sind aber seit Maduros Entführung die Straßen voll von Unterstützern und riesigen Demonstrationszügen. Sein Rückhalt im venezolanischen Volk dürfte eher größer als kleiner geworden sein.
Auch mehrere Oppositionelle äußern sich so, dass man Maduro zwar liebend gern habe loswerden wollen, aber nicht durch Entführung durch das in Lateinamerika seit einem halben Jahrhundert verhasste US-Imperium. Im afrikanischen Land Burkina Faso soll sich zuletzt das Volk spontan versammelt haben, um sich einem »Regime Change«, also einem brutalen Putsch und Staatsstreich von außen, gegen den überaus beliebten Ibrahim Traoré entgegenzustellen. Dort kennt man schon, dass die Kolonialmächte einfach »intervenieren«. Auch die BRD muss teilweise als angloamerikanisches »Kolonialprojekt« gelten.
In Venezuela hat nach der Entführung des gewählten Maduro die Vizepräsidentin Delcy Rodríguez noch am Wochenende die Regierung übernommen und sich zunächst unmissverständlich hinter den Entführten gestellt, dessen Freilassung gefordert. Weltweit löste der hinterhältige Überfall der Amerikaner Abscheu bis Ekel aus. Für die Völker der Nordhalbkugel sind sie spätestens jetzt als ernstzunehmender Partner entfallen.
Trump interessiert das wohl nur noch einen »feuchten Kehricht«, also einen Scheißdreck. Für ihn hat lediglich der coole Cowboy die larmoyante Dorfgemeinschaft gen Westen verlassen. Als Hollywood-Klassiker oder Italo-Western wäre das alles nachvollziehbar, wenn man mal bedenkt, mit was für einem dumpf-asozialen Schweinepack etwa die BRD-Polit- und Medienriege besetzt ist. Dagegen ist sogar Trump nach wie vor geradezu ein Demokrat von Niveau, Verstand und Manieren. Aber eben nur im Vergleich – und nur Stand heute.
Die Profitrate fällt, der Dollar steht zur Disposition, Amerikas Vorherrschaft rutscht weiter auf der schiefen Ebene. Das Volk gilt als ungesund und so tief gespalten, dass bürgerkriegshafte Situationen nicht nur gegen den Staatsapparat auftraten, sondern auch zwischen gesellschaftlichen Fraktionen, ohne dass dabei klare Schemata zu erkennen gewesen wären. Allenfalls, dass Trumps Wähler weit häufiger der Arbeiterklasse angehören (Angestellte, Arbeitslose, kleine Selbständige, Kleinunternehmer, Prekäre, kleine Mittelständler, Familien) als die Wähler der Gegenkandidaten.
SELBSTAUFGABE DES ANSPRUCHES
DER »WELTPOLIZEI«
Auf die Reputation achten? Etwa für Propagandafunk und Lügenpresse in der BRD, die schon vor Trumps erster Amtszeit fanatisch auf ihn einprügelte und sich seither nicht mehr einkriegt? Leitmedien von Hetze und Terror in der BRD: T-Online, Tagesspiegel, Taz, Spiegel, Focus, ARD, ZDF, Die Welt, Bild und viele weitere. Die Niedergangserscheinungen sind unterdessen auch fast überall in den USA unübersehbar. Was soll man sich da noch um internationale Reputiation scheren? Trumps Weg scheint nun die Aufgabe des Selbstbildes als um das Gute und Richtige zumindeste bemühte »Weltpolizei«.
Stattdessen: Piraterie, Gangster-Methoden und der aggressive Imperialismus und Kolonialismus des 19. Jahrhunderts mit »Monroe-Doktrin to the Max« – also der maximierten Politik der Unterwerfung Lateinamerikas und damit Nachfolge des früheren spanischen und portugiesischen Kolonialismus. Dies wie immer mit ein paar Privilegien für das britische Mutter-Empire, schließlich sind die USA eine Ausgeburt des englischen Kolonialismus mit Erinnerungsstatue vor New York an den recht verzweifelten letzten französischen Beitrag dazu.
Wie geht es weiter in Venezuela? Noch haben Exxon und Co. die Ölquellen des venezolanischen Volkes nicht in ihre blutüberströmten Finger bekommen. Eine Invasion und Unterwerfung Venezuelas mit Bodentruppen dürfte für die USA sehr schwierig bis unmöglich sein, wenn das wankende Imperium kein zweites Vietnam und kein drittes Afghanistan riskieren möchte. Ebenso keine großen revolutionären Aufstände im Innern herbeiführen will.
Das venezolanische Volk ist offensichtlich nicht zur Aufgabe bereit und hat Unterstützung von Nachbarstaaten und -völkern wie in Brasilien. Eine Auslöschung von Caracas etwa durch Atombomben wie auf Hiroshima und Nagasaki dürfte selbst dem skrupellosesten US-Militärlobbyisten derzeit zu verbrecherisch sein.
USA VOR GROSSEN
AUFSTÄNDEN?
Bleibt aus Sicht des US-Imperiums eventuell noch eine partielle Besetzung der Landesteile mit Ölquellen, um die es ja geht (und um überhaupt gar nichts anderes). Die PDVSA, die staatliche venezolanische Erdölfördergesellschaft, fördert das »schwarze Gold« vor allem in Zentralvenezuela, südlich des Orinoco-Flusses sowie in der Nähe von Maracaibo, der zweitgrößten Stadt Venezuelas mit rund zwei Millionen Einwohnern. Beide Regionen dürften für die USA per Luftangriff zwar leicht zu zerstören, aber nur schwierig zu besetzen und kaum lange zu halten sein, wenn das Volk damit nicht einverstanden ist, sondern sich wehrt. Davon ist auszugehen.
Bleibt also aus Sicht Washingtons und dessen »Investoren« nur, die verbliebene Regierung in Caracas zu erpressen und sie dazu zu bringen, dem venezolanischen Volk die Unterwerfung als ganz tollen »Deal« schmackhaft zu machen. Und so wird es geschehen. – Wollen wir wetten?
Es ist die »Politik der Geiselnahme«: Statt Stockholm-Syndrom einfach die direkte Entführung und Erpressung, was soll man denn auch drumherumreden, gell? Man genieße ein überwätigendes Erlebnis, der Elefant im Porzellanladen ist mit Piratenfahne auf Shopping-Tour! Es gibt frisches, Öl, liebe amerikanische Kinderchens, hooray!
Die BRD hat qua NATO-Tribut-Überweisungen in die USA bei diesem Krieg gegen Venezuela weit mehr mitgewirkt als am israelischen Genozid an den Palästinensern und oder an der wahnhhaften In-Schutt-und-Asche-Legung des Gaza-Streifens (wie der Journalist Hendrik Sodenkamp am Montag im Gespräch unter anderem mit dem rechten Buchautor Martin Sellner darlegte in »Wir sind die rote Linie«).
Den USA ist Germany völlig egal, es muss ausgpresst werden bis zum Geht-nicht-mehr und darüber hinaus. Die BRD hat als Fronstaat und Schaufenster des Westens seit 1993 ausgedient. Wenn für uns noch ein paar Barrel Öl abfallen, werden CDU, SPD, FDP und Bündnisgrüne aus Dankbarkeit auf die Knie fallen und sodann damit anfangen, wie geil sie darauf sind, endlich noch mehr Panzer an die Front gegen Russland zu schicken, etwa: »Das ist doch unser gemeinsamer Feind, Donald, büdde, büdde, büdde, lass uns zusammen Weltkrieg gegen Russland machen, Donald, ok? Bitte, bitte, bitte, bittte!« – Aber immerhin, das will er nicht so recht, auch wenns für den Friedensschluss zuletzt nicht reichte. Denhatte Trump aber innerhalb von 24 Stunden nach seiner Wiederwahl versprochen. Die liegt ein Jahr zurück.
WAS KOMMT NACH DEN
KRIEGEN UM DAS ERDÖL?
Die zivilen französisch-russisch-deutschen Erdgasversorgungsleitungen in der Ostsee haben die USA am 26. September 2022 weggesprengt. Ob nun aus Friedensfreundschaft, aus Sinn für Autarkie, Volk und Muttersprache, aus ökonomischem Rationalismus oder aus grün-esoterischen »Feelings«: Der deutschen Politik der Energiewende muss immerhin zu Gute gehalten werden, dass ein Ausstieg aus den ewigen Kriegen ums Öl, zu denen auch auch das kriminelle Überfallskommando auf Maduro zählt, nur mit nachhaltiger Energiegewinnung aus Wasser und Erdwärme, elektrifizierten Eisenbahnnetzen, elektrifizierten Bussen und einem elektrifizierten, permanenten Taxi-System sowie einer Industriestromgewinnung und Heizung aus russischem, aus eurasischem Erdgas möglich sein würde.
Eine deutsche demokratische Zukunft liegt nicht mehr im Atlantik. Bei den vergleichsweise kurzen Wegen in Europa und Ausbau der Landwege auf »unser aller eurasischer Weltinsel« (Ilia Ryvkin in DW) ist etwas Besseres möglich und umsetzbar. Stimmen wir endlich über den NATO-Austritt ab!
Mir scheint, das deutsche Volk begreift nach der Corona-Lüge und Kriegstreiberei gegen Russland allmählich, dass es uns perspektivisch an der Seite Russlands, Frankreichs, Polens, Indiens weit besser gehen wird, als mit dem immer nur noch mafiöser agierenden »Der Westen«, unter welchem Präsidenten auch immer.
Wer sich unter der Corona-Lüge für die Einhaltung des erreichten Rechtsstandards durch den Staatsapparat, für echte Demokratie und für das Selbstbestimmungsrecht des Individuums und der Völker eingesetzt hat, der muss jetzt auch für Venezuela, jedenfalls gegen das kriminelle Trump'sche Kidnapping Stellung nehmen. Oder willst Du in der BRD bald auch mal wieder so – oder so ähnlich – abgeholt werden?
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Dieser Text erschien in Ausgabe N° 233
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